Kategorie: Anti Atom

Verbrennung von freigemessenem Atommüll in Schwandorf

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Statement – 17. August 2020

Bündnis für Atomausstieg und Erneuerbare Energien Regensburg (BüfA) und Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden-Neustadt/WN (BI WAA NAA) zur Verbrennung von sogenanntem „freigemessenem Atommüll“ in der Müllverbrennungsanlage Schwandorf

Als Sprecherinnen ihrer Bürgerinitiativen nehmen wir, Petra Filbeck BüfA und Hilde Lindner-Hausner BI WAA NAA Stellung zu den Presseberichten der vergangenen Tage, welche z.B. in der Mittelbayerischen Zeitung, sowie Oberpfalzmedien Der Neue Tag und onetz zum Thema Verbrennung von sogenanntem „freigemessenem Atommüll“ in der Müllverbrennungsanlage Schwandorf erschienen waren. Als Intitatorinnen eines Offenen Briefes an die Landrätinnen von Regensburg und Neustadt/Waldnaab, sowie die Oberbürgermeisterinnen von Weiden und Regensburg wurden wir in den Presseveröffentlichungen erwähnt und darin teilweise durch die befragten Personen aus den verantwortlichen Stellen angesprochen bzw. kritisiert. Darauf wollen wir nun reagieren. Auch möchten wir nun den Stand der Erkenntnisse aus den erhaltenen Antworten von Seiten des Müllzweckverbandes Schwandorf und von den angesprochenen Landkreisen und Städten, bzw. aus unseren eigenen weiteren Recherchen zusammenfassen.

Für uns ist das Freimessen von Atommüll und dessen Behandlung nicht erst seit kurzem ein Problem, da dies erst mit der Novellierung der Strahlenschutzverordnung 20.07.2001 gesetzlich erlaubt wurde. Jetzt liegt unser Fokus auf der Müllverbrennung. Gleich als bekannt wurde, dass im Müllkraftwerk Schwandorf neben freigemessenem Atommüll aus dem eigenen Zweckverband (AKW ISAR 1 u.2), auch Atommüll von außerhalb, nämlich aus dem AKW Grafenrheinfeld verbrannt wird, wurde die BüfA tätig. BI WAA NAA schloss sich an.

Mittlerweilen gingen Antwortschreiben auf den Offenen Brief von den angeschriebenen Landräten und Oberbürgermeistern (urlaubsbedingt teilweise von deren Vertretern) bei uns ein. Von Seiten des Müllzweckverbandes Schwandorf beantwortete Müllzweckverbandsdirektor Herr Knoll in zwei Briefen die Fragen, die die BüfA an ihn gerichtet hatte.

Wir stellen fest: Unsere Anliegen wie größtmöglichste Schutz der Bevölkerung, sowie speziell der betroffenen Arbeitnehmer*innen vor radioaktiver Strahlung, sorgfältigster und vorsichtigster Umgang mit Atommüll sowie umfassende Messungen und bestmögliche Transparenz, werden in den eingegangenen Antworten nicht gewürdigt.

Im Gegenteil, weitere Fragen allgemeiner und spezieller Art stellen sich:

  • warum wird Radioaktivität generell nicht gemessen?
  • wird angelieferter Müll mit einem Strahlenmessgerät kontrolliert? Wenn nicht, kann
  • dann radioaktiver Müll einfach eingebracht werden, ohne dass dies erkannt wird?
  • warum tragen die Beschäftigten keine Dosimeter?

Zusätzlich ist uns beim Vergleich der Messwerte anderer Müllverbrennungsanlagen aufgefallen, dass dort weit mehr Schadstoffe gemessen und die Messwerte veröffentlicht werden als in Schwandorf:

  • wieso misst man kein Quecksilber, wenn es doch gesetzlich vorgeschrieben ist und andere Müllkraftwerke veröffentlichen Quecksilbermesswerte?
  • wieso misst man keine Schwermetalle wie Blei, schon der Hausmüll kann doch immer wieder Belastungen dieser Art haben?
  • werden diese Stoffe nun gar nicht gemessen, oder werden sie gemessen und nicht veröffentlicht?
  • was ist mit den anderen Stoffen, die in den Hausmüll wandern und aus dem Gewerbemüll kommen, der vom Müllzweckverband bekanntzugebende
  • Emissionsdatenbericht zeigt nur Messwerte für die Stoffe – HCl, SO2, C0, C, Staub sowie NO2, werden sie nicht gemessen oder werden sie nicht veröffentlicht?

Sowohl in den Antworten, als auch in den Presseberichten wird die Praxis des Freimessens von Atommüll nicht in Frage gestellt, weil sie gesetzlich geregelt sei. Gesetze und Regelungen und deren Anwendung kann man ändern, wenn es geboten ist, deshalb ist aus unserer Sicht Zweifel daran erlaubt und von Strahlenschutzexperten wie u.a. Dr. Alex Rosen, Oberarzt der Berliner Charité und Vorsitzender des IPPNW begründet.

Erst im März zeichneten wir Bürgerinitiativen gemeinsam mit vielen anderen Antiatomgruppen einen offenen Brief der Atommüllkonferenz an die Mitglieder der Umweltministerkonferenz. Der gesamte Inhalt des Briefes ist hier nachzulesen:

http://www.atommuellkonferenz.de/wp-content/uploads/Offener-Brief-2-an-die-UmweltministerInnenkonferenz.pdf

Er trug die Überschrift:
Aufnahme eines Tagesordnungspunktes für die nächste Umweltministerkonferenz (UMK):
Umgang mit der Freigabe nach § 29 (alt) / § 31 (neu) der Strahlenschutzverordnung

Die wesentlichen Kritikpunkte sind: Die dafür zugrunde gelegten Daten und Berechnungen sind nicht nachvollziehbar, da Ausgangsbasis und Rechenvorgang nicht offengelegt sind; sie beruhen auf veralteten Annahmen und Daten und entsprechen nicht dem Stand von Wissenschaft und Technik; die Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung durch radioaktive Strahlung und radioaktive Stoffe, gerade auch im Niedrigstrahlungsbereich, ist zu optimistisch angesetzt und muss neu bewertet werden…..

Bereits seit Jahren werden radioaktive Reststoffe aus Atomanlagen nach §29 / § 31 der StrlSchV freigegeben. Aus dem Abbau der Atomkraftwerke – weitere Atomanlagen nicht mitgerechnet – sind in Deutschland mehrere Millionen Tonnen Müll zu erwarten, die als „freigemessene“ Abfälle auf Deponien, in Verbrennungsanlagen und zum allergrößten Teil zur freien Verwertung in die Umwelt verteilt werden sollen und dann nicht mehr rückholbar wären…..

Die Delegierten des 120. Deutsche Ärztetags haben sich in einer Entschließung gegen dieFreigabe gering radioaktiven Atommülls ausgesprochen und vor der Verharmlosung möglicher Strahlenschäden gewarnt…

IPPNW und BUND haben sich ebenso gegen die praktizierte Freimessung radioaktiver Stoffe positioniert.

Das unterstreicht unser Vorgehen, genau hinzusehen und nicht etwa leichten Entschlusses froh zu sein, wie Landrat Ebeling in gleich zwei Presseartikeln in der MZ sich über uns wundert:

wir müssen doch froh sein über alles, was wir aus dem Rückbau gut entsorgen können (. . .), ein Endlager zu finden wird schwer genug.

Landrat Ebeling – Landkreis Schwandorf

Wir glauben nicht, dass es viele Bürger*innen in politischer Funktion in unserer Region gibt, die sich ähnlich viel mit dem Thema Atommüll und Endlagerung beschäftigt haben. Dass wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen müssen hat uns die falsche Atompolitik der 60er und 70er Jahre beschert. Nie wurde ernsthaft nach einer sicheren Endlagerstätte gesucht, maßgeblich entscheidend war die Bevölkerungsdichte und mögliche Grenznähe. In Gorleben musste man so tun, als ob, weil nur während eines Endlagersuchverfahrens AKW weiterbetrieben werden dürfen.

Ja es wurde und wird von uns als Antiatominitiativen immer wieder betont, dass nach dem Abschalten der Atomkraftwerke immense Kosten entstehen werden. Würden diese jetzt schon bestehenden Kosten auf den Stromkunden umgelegt werden, wäre der Strom der vergangenen Jahrzehnte mindestens 3- mal so teuer gewesen.

Es ist gängige Praxis, Radioaktiv kontaminiertes Material wie z. B. Schutzanzüge in einer Tonne mit anderen nicht kontaminierten Abfällen so lange zu mischen, bis die gesetzlichen Grenzwerte unterschritten werden. Somit dürfen diese Abfälle wie gewöhnlicher Gewerbemüll verbrannt werden. Dies reduziert die Radioaktivität nicht, sondern macht nur den Umfang geringer. Das dieses Wissen in der Oberpfalz um gleichmäßige und möglichst
unauffällige kostengünstige Verteilung in unserer Umwelt nach dem Ende der WAA verloren gegangen ist, lässt uns, die sich weiter damit beschäftigt haben, erstaunen. Noch am Anfang der Praxis des „Freimessens“ dachten wir, dass wir die Gefahr bei uns in Schwandorf nicht sehen, da die Region so viel Grundausbildung im Thema Radioaktivität hätte und dies auch an Verwaltung und Politik nicht vorbeigegangen sein dürfte. Verbandsdirektor Knolls Aussage in einem Zeitungsartikel, dass dies keineswegs geheim sei, interessierte Bürger könnten sich jederzeit auf den Internetseiten von Bürgerinitiativen informieren, empfinden wir als Ablenkungsmanöver, denn wir im Ehrenamt tätige sind nicht verpflichtet Detektiv zu spielen, der ZMV hingegen ist gesetzlich zur transparenten Veröffentlichung der Daten verpflichtet. Warum er dann auf unsere Anschreiben hin so ungenau antwortete, ja auch noch schreibt, dass eine detailliertere Auskunft für uns als BüfA Regensburg kostenpflichtig sei, ist fraglich. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand wurden auch die Verbandsmitglieder zu keiner Zeit über die Annahme von freigemessenem Müll aus Atomkraftwerken informiert.

Grenz- bzw. Risikowerte sind politische Werte – aus medizinischer Sicht gibt es keinen Schwellenwert, unterhalb dessen radioaktive Strahlung nachweislich nicht gesundheitsgefährdend ist. Deshalb kann es kein Freimessen geben und jegliches strahlendes Material aus Atomkraftwerken darf nicht aus der atomrechtlichen Verantwortung entlassen werden!

Die Atomlobby in der EU stoppen! EURATOM Nein danke!

Das Thema EURATOM spielt in der öffentlichen Diskussion keine zentrale Rolle. Dabei kann der EURATOM-Vertrag dazu beitragen, die Förderung von Atomkraft in den Staaten der Europäischen Union weiter zu beschleunigen, und Atomkraftwerke als vermeintliche ‚saubere und klimafreundliche“ Alternative zu Kohleverstromung durchzusetzen. Das wollen wir wir gemeinsam ändern. Der EURATOM-Vertrag ist das zentrale Instrument der Europäischen Atomgemeinschaft, um eine Renaissance der Atomenergie in Staaten der EU zu ermöglichen. Mit den Möglichkeiten des  EURATOM-Vertrags wollen eine Reihe von EU-Staaten den Ausbau der Atomenergie forcieren und mit hohen staatlichen Subventionen den Bau neuer Atomkraftwerke fördern. Atomkraftwerke sind aber mit einer umwelt- und sozialverträglichen Energieversorgung nicht vereinbar. Der Bau von neuen Atomreaktoren ist weder ökologisch noch betriebswirtschaftlich zu verantworten.

Ohne staatliche Subventionen ist der Neubau eines Atomkraftwerkes heute nicht mehr wirtschaftlich. Insofern ist das Urteil des EUGH eine Einladung an die Atomlobby, ihre Risikotechnologie auf Kosten der Steuerzahler weiterhin zu betreiben. Die Atomlobby ist in vielen EU-Staaten eng mit staatlichen Apparaten verbunden und nutzt ihren Einfluss, den Bau von neuen Atomkraftwerken voranzutreiben.

Der EUGH hat im Jahr 2018 hat entschieden, dass die Milliarden-Subventionen für das britische Atomkraftwerk Hinkley Point C mit dem EURATOM-Vertrag sowie mit dem EU-Wettbewerbsrecht vereinbar sind. Die Richter erklärten, die „Förderung der Kernenergie auch mittels Anreizen decke sich mit dem Ziel der Euratom-Gemeinschaft, Investitionen im Bereich der Kernenergie zu erleichtern“.

Obwohl die EU-Verträge und der EURATOM-Vertrag rechtlich getrennte Verträge sind, wurden beim Beitritt der Staaten zur EU alle heutigen EU-Mitgliedstaaten auch Mitglied in der EURATOM-Gemeinschaft.

Für eine neue Energiepolitik in Deutschland und Europa muss EURATOM aufgelöst werden. Dieser 1957 geschlossene Vertrag stellt die Förderung der Atomtechnologie in den Mittelpunkt und gewährt der Atomwirtschaft zahlreiche undemokratische Privilegien. Die NaturFreunde Deutschlands fordern alle Fraktionen im Bundestag auf, einer Auflösung von EURATOM zuzustimmen. Zudem unterstreichen die NaturFreunde ihre Forderung, dass Deutschland aus dem EURATOM-Vertrag einseitig austreten muss, wenn sich die anderen Mitgliedsstaaten weigern, diesen Vertrag aufzulösen.

Allein die Bundesrepublik muss jährlich über 120 Millionen Euro für die Erforschung der Atomkraft bezahlen. Geld, das sinnvoller in die Erforschung und den Ausbau der erneuerbaren Energien angelegt ist.

In der Präambel des EURATOM-Vertrages steht, dass „die Kernenergie eine unentbehrliche Hilfsquelle für die Entwicklung und Belebung der Wirtschaft und für den friedlichen Fortschritt darstellt“. Weiter ist als Ziel des EURATOM-Vertrages „die Entwicklung einer mächtigen Kernindustrie […], welche die Energieerzeugung erweitert“ ausdrücklich festgeschrieben.

Die NaturFreunde Deutschlands werden gegen die unverantwortliche Atompolitik weiter Widerstand leisten und fordern,

  • dass EURATOM schnellstmöglich aufgelöst wird;
  • dass Deutschland seine EURATOM-Mitgliedschaft kündigt, wenn eine Auflösung innerhalb der EURATOM-Mitgliedsstaaten nicht durchsetzbar ist;
  • dass ein neuer europäischer Vertrag geschlossen wird, auf dessen Grundlage erneuerbare Energien gefördert und erhebliche Energieeinsparungen in ganz Europa durchgesetzt werden.

Referent: Uwe Hiksch, Bundesvorstand NaturFreunde Deutschlands

Deutschland hat nichts mit Atomwaffen zu tun? Weit gefehlt!

ICAN Deutschald berichtet über Atomwaffen in Deutschland:

Hallo ,Deutschland hat nichts mit Atomwaffen zu tun? Weit gefehlt!

Im rheinland-pfälzischen Büchel lagern noch immer US-Atombomben, die im Ernstfall von deutschen Soldaten abgeworfen würden. Die Bundesregierung in Berlin hält an den Atombomben fest und boykottiert den internationalen Verbotsvertrag. Derweil finanzieren zahlreiche Banken in Frankfurt das nukleare Wettrüsten.

Und es gibt weitere Orte, die kaum jemand kennt: In Garching bei München wird im Forschungsreaktor atomwaffenfähiges Material verwendet, obwohl die Abrüstung schon seit Jahren versprochen wird. Die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau ist in der Lage, innerhalb weniger Wochen atomwaffenfähiges Material herzustellen, und darf trotzdem ungehindert weiterlaufen. Und in Jülich bei Aachen werden die dafür verwendeten Zentrifugen erforscht, entwickelt und teilweise gebaut.

Wir haben eine neue Broschüre erstellt, die diese Orte beleuchtet. Sie zeigt die Doppelmoral der Bundesregierung, die sich gern als Vorreiterin für eine atomwaffenfreie Welt präsentiert, gleichzeitig aber nichts gegen den atomaren Wahnsinn in Deutschland unternimmt.Dank der Unterstützung durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung konnten wir 2.500 Exemplare drucken und Du kannst die Broschüre kostenlos bestellen!

Alternativ kannst Du die Broschüre als pdf-Dokument von unserer Website herunterladen.

Wenn Du sie verteilen magst, schicken wir auch gerne mehrere Exemplare zu.
Broschüre bestellen
Zitat Newsletter ICAN Berlin
Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen

Scheinexperten maßen sich Fachkompetenz an

Gerne teilen wir einen Beitrag von Raimund Kamm vom FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Auch bei der Auswahl eines Endlagerstandortes werden wir es ab Herbst 2020 vermehrt mit Schein-Experten zu tun bekommen. Denn im Herbst 2020 sollen die Teilgebiete in Deutschland veröffentlicht werden, wo nach Recherchen „am Schreibtisch“ es aussichtsreich scheint, mit unterirdischen Untersuchungen einen Platz zu finden, um den über 1 Million Jahre tödlich strahlenden Atommüll einzuschließen. Hier wird es schwieriger als beim Klimaschutz werden, Experten von Scheinexperten zu unterscheiden. Deswegen versuche ich mal eine Beschreibung, was Schein-Experten sind:

Fachkompetenz anmaßende Männer

Prof. Sinn und Dr. Vahrenholt sind herausragende Beispiele für sich Fachkompetenz anmaßende Männer. In der Wissenschaft nennt man dies „Overclaiming“. Das sind Menschen, die in einem Fachgebiet beispielsweise durch Promotion oder Professur Fachkenntnisse nachgewiesen haben, und dann einen Expertenstatus auch in anderen Fachgebieten beanspruchen. 

Experte wird man, indem man in einem Gebiet Fachwissen erlangt und Erfahrung sammelt. Gerade wissenschaftliche Experten zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Aussagen durch Offenlegung der Annahmen und Schlussfolgerungen wissenschaftlich überprüfbar sind und sie den Stand der wissenschaftlichen Diskussion in dem Fachgebiet berücksichtigen. Führende Wissenschaftler haben in der Regel in dem Fachgebiet wissenschaftliche Arbeiten in Fachzeitschriften veröffentlicht. Fachzeitschriften sichern die Qualität, indem sie solche Beiträge zur wissenschaftlichen Diskussion erst nach „Peer Reviews“ veröffentlichen. Ein Peer Review, manchmal auch Kreuzgutachten genannt, ist eine Begutachtung des Beitrags durch gleichrangige Wissenschaftler. Selbstverständlich ist auch diese Qualitätssicherung nicht fehlerfrei. Doch insgesamt sichert sie die Qualität von Experten-Aussagen.

Für Experten gehört es sich auch, eigene Interessen oder Interessenskonflikte – beispielsweise Zuwendungen oder Abhängigkeiten von anderen – transparent zu machen.

Wir trauern um Erwin Hadersbeck (BAAK-Sprecher):

Liebe Freunde und Mitstreiter,

völlig fassungslos sind wir über die Todesnachricht von unserem treuen Mitstreiter Erwin Hadersbeck aus Niederaichbach. Für uns ein schwerer Schlag, besonders für die BüfA Landshut, die eine Säule des Widerstands vor Ort verloren hat. Er war einer von wenigen Niederaichbachern, die sich dem Kampf gegen das AKW Isar in seiner Gemeinde stellte. Vielleicht erinnert sich so manche/r Teilnehmer/in, die/der bei den Landshuter Montagsmahnwachen und den Countdown-Demos an Samstagen anwesend waren, an sein Mitwirken. Trotz aller Repressionen in Niederaichbach verlor er nie sein Lächeln. Für die Bayern Allianz hat Erwin als kommissarischer Sprecher gewirkt und als 1. BAAK-Sprecherin möchte ich ihm vielmals für unsere gemeinsame Zeit danken.

In tiefer Trauer
Petra Filbeck – im Namen des Sprecherkreises

Durchbruch bei AKW Mochovce 3

Betreibergesellschaft stimmt internationaler Inspektion zu

Umweltinstitut München | GLOBAL 2000 | BUND Naturschutz in Bayern

Gemeinsame Pressemitteilung

Aktuellen Medienberichten zufolge hat die Betreibergesellschaft des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce 3, Slovenské elektrárne, einer Inspektion der Baustelle durch ein Team der internationalen Atomaufsicht IAEO zugestimmt. Damit würde eine der Forderungen des internationalen Bündnisses von Umweltschutzorganisationen erfüllt, die vor gravierenden Baumängeln und dem Risiko eines schweren Atomunfalls bei Inbetriebnahme des Reaktors warnen. Im Vorfeld haben über 260.000 Menschen einen gemeinsamen Appell der Organisationen GLOBAL 2000, Umweltinstitut München und BUND Naturschutz in Bayern unterzeichnet, in dem unter anderem eine solche Inspektion gefordert wird.

„Wir begrüßen als Zwischenerfolg unserer Kampagne, dass es zu einer internationalen Überprüfung der völlig aus dem Ruder gelaufenen Mochovce-3-Baustelle kommen wird“, sagt Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher von GLOBAL 2000. „Jetzt müssen die Regierungen der europäischen Staaten dafür Sorge tragen, dass dies keine reine Alibi-Überprüfung wird: Unabhängige, kritische ExpertInnen müssen Teil dieser Kontrolle werden.“

„Die Atomkraft ist eine energiepolitische, wirtschaftliche und ökologische Sackgasse“, erklärt Dr. Hauke Doerk, Referent für Radioaktivität beim Umweltinstitut München. „Die Inbetriebnahme eines Atomkraftwerks, noch dazu mit völlig veralteter Technik und derartigen Baumängeln, widerspricht jedem gesunden Menschenverstand. Wir erwarten, dass die Zustände auf der Baustelle einer ernsthaften Überprüfung nicht standhalten und dieses sinnlose Projekt damit auf dem Müllhaufen der Geschichte landet.“

“Das ist auch ein Erfolg eines demokratischen Europas mit einer starken Zivilgesellschaft. Denn über eine Viertelmillion Menschen haben sich dank der Initiative mehrerer Umweltorganisationen dem Aufruf angeschlossen und eine internationale Überprüfung erwirkt.”, sagt Martin Geilhufe, Landesbeauftragter BUND Naturschutz in Bayern.

Hintergrund

Das AKW am Standort Mochovce in der Slowakei liegt knapp 400 km von Deutschland entfernt – der explodierte Reaktor 4 im ukrainischen Tschernobyl 1300 km. Der Bau von vier Blöcken sowjetischen Typs WWER 440-213 in Mochovce wurde 1978 in der damals kommunistischen Tschechoslowakei beschlossen und begann 1985. Die ersten beiden Blöcke gingen 1998 und 2000 ans Netz. Die Blöcke 3 und 4 wurden jedoch aus wirtschaftlichen Gründen zunächst nicht fertiggestellt, seit 1993 blieben sie als Bauruine stehen. Im Zuge der Übernahme des slowakischen Energiekonzerns Slovenské elektrárne durch den italienischen Konzern ENEL wurde 2008 der Weiterbau beschlossen.

Mehrere ehemals auf der AKW-Baustelle beschäftigte Ingenieure bezeugen schwerste Mängel bei der Umsetzung des Projekts. GLOBAL 2000 deckte Anfang April durch einen am Projekt beteiligten Baustatik-Ingenieur gravierende Missstände auf der Baustelle auf, so wurden die so genannten „hermetischen Kammern“ rund um den Reaktordruckbehälter für seismische Verstärkungen tausendfach „blind“ angebohrt – die Bohrungen mit einem Durchmesser bis zu zehn Zentimeter und einer Tiefe von einem halben bis zu einem Meter in Stahlbeton-Wände mit einer Stärke von 1,5 Metern könnte möglicherweise in vielen Fällen die Stahl-Armierung des Betons getroffen und die Statik der Wände im Falle von Erdbeben oder Dampfexplosionen bei einem Störfall beeinträchtigt haben.

Die Petition “Stopp Mochovce – Atomruine nicht ans Netz” unterschrieben bislang rund 260.000 Menschen aus Österreich und Deutschland.

Kontakt

Dr. Hauke Doerk
Umweltinstitut München
Referent für Radioaktivität
Tel.: 089 30 77 49 40
hd@umweltinstitut.org

Dr. Reinhard Uhrig
GLOBAL 2000
Atom-Sprecher
Tel.: +43 699 14 2000 18
reinhard.uhrig@global2000.at

Martin Geilhufe
BUND Naturschutz in Bayern
Landesbeauftragter
Tel. 089 54 83 01 11
Mobil: 0172 79 54 607
martin.geilhufe@bund-naturschutz.de

Umweltinstitut München e.V.
Landwehrstr. 64a
80336 München
www.umweltinstitut.org

http://www.umweltinstitut.org/presse/presse-details/aspresse/129/durchbruch-bei-akw-mochovce-3-betreibergesellschaft-stimmt-internationaler-inspektion-zu.html

30 Jahre WAA-Baustopp: Ist damit alles gut?

Zum 30 jährigen WAA Baustopp veranstaltete der Dachverband der Oberpfälzer Bürgerinitiativen eine Feier in der Oberpfalzhalle in Schwandorf. Zuvor feierten Leo Feichtmeier und Klaus Rettig eine ökumenische Andacht am Franziskusmarterl.

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Zum Festakt in der schwandorfer Oberpfalzhalle hatten alle Reden ein Credo: Die WAA wurde zwar verhindert, das System dahinter ist immer noch aktiv – auch heute noch.

Die Reden zum Festakt waren vielfältig. Rechtsanwalt Wolfgang Baumann erinnerte an die ganzen Verfahren und vor allem an den 2. Erörterungstermin 1988 in Neunburg vorm Wald. Wolfgang Baumann vertritt Kommunen im Widerstand gegen die Gleichstromtrasse SüdOstLink.

Sepp Bichler von den Energiebauern stellt seinen Werdegang vom konventionellen Landwirt über einen der bayerischen Pionieren hin zu einem Unternehmen, das nun große Photovoltaikanlagen erbaut und beschreibt. Auch er als Erbauer großer Anlagen die regenerativ Energien steht dem Netzausbau kritisch gegenüber.

Wilfried Attenberger vom BUND Naturschutz stellt ebenfalls heraus, dass mit dem Ende der WAA die Atomenergie noch lange nicht gegessen ist. Riesige Probleme mit der Handhabung des Atommülls, der immer noch auch in Deuschland erzeugt wird, stellen nicht nur die heutige Generation vor Herausforderungen. Problematisch ist nicht nur die Lagerung des hochradioaktiven Mülls. Der Rückbau atomarer Anlagen ist nicht so unproblematisch wie gerne dargestellt. So lagert z. b. der komplette Rückbau des Kraftwerks Niederaichbach (18 Tage regulärer Betrieb) komplett im Zwischenlager Mitterteich.

Dörte Hamann vom Aktionsbündnis gegen den SüdOstLink zeigt viele Hintergründe der Stromtrassen auf, die die Erbauer und die Genehmigungsbehörden nicht erwähnen. Sie stellt klar die Notwendigkeit des Netzausbaus als Beitrag zur Energiewende in Frage und stellt klar, dass dadurch die Bürger als Energieerzeuger ausgegrenzt werden.

Ferdinand und Jakob von den regensburger FridaysForFuture spannen den Bogen von der Vergangenheit zum aktuellen Protest junger Menschen. Neben den Forderungen stellen sie den Anwesenden die Frage nach eigenen Maßnahmen zur Reduzierung klimaschädlicher Gase, denn es müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden.

Zum Schluss resümmierte Altlandrat Hans Schuierer den Werdegang des Widerstands und alle Facetten, die ein verantwortungsbewusster Kommunalpolitiker erlebt.

30 Jahre Baustopp WAA Wackersdorf

Vor 30 Jahren wurde der Bau der WAA Wackersdorf eingestellt. Nach mehreren Jahren erfolgreichen und hartnäckigen Widerstands hauptsächlich der oberpfälzer Bevölkerung wurde 1989 bekannt gegeben, den Bau der WAA Wackersdorf zum 31.05.1989 einzustellen.

Die WAA Wackersdorf wurde zwar nie realisiert. Aber diejenigen, die die WAA bauen wollten, bescheren uns nun die Ursachen für fortschreitende Umweltzerstörung, ungerechte Vermögensverteilung und rasanten Klimawandel, Deshalb ist weiterhin Engagement für die Zukunft gefordert.

Viele Jugendliche waren vor 30 Jahren ebenfalls aktiv – sozusagen die FridaysForFuture von vor 30 Jahren.

@FridaysForFuture: Macht weiter – lasst euch nicht vom Weg abbringen und rückt nicht von Euren Forderungen ab!