Leserbriefe zum Kauf von 11 neuen Dieselbussen durch die RVV

Leserbrief zu „Neue Busse sind besser für die Regensburger Luft“ am 6.3.2017, veröffentlicht am 24.03.2017 in der MZ:

Es wird dem (un-) mündigen Bürger eine Entscheidung mitgeteilt, die bei Vielen Kopfschütteln verursacht: fällt den Regensburger Verkehrsbetrieben und dem politisch verantwortlichen Stadtrat wirklich nichts Besseres ein, als mit einer Großinvestition in eine notdürftig verbesserte Dieseltechnik (welches unabhängige Gremium hat denn die neue Euro-6 Schadstoffnorm im Alltagsbetrieb getestet?) nicht nur die schlechte Regensburger Luft weiterhin zu belasten, sondern auch die Weichen für einen emissionsfreien Straßenverkehr langfristig falsch zu stellen? Heute ausgereifte Erdgas- und Elektrobusse sind in vergleichbaren deutschen Städten längst unterwegs, während sie in Regensburg entweder wieder abgeschafft (frühere Erdgasbusse) oder mangels Stromtankstellen immer noch nicht in Betrieb gehen (die sog. „Emil“-Flotte). Man muss sich wirklich fragen, mit welchen Negativ-Schlagzeiten sich die Stadt Regensburg noch der bundesweiten Lächerlichkeit aussetzen möchte.
Martin Creuzburg

Folgender Leserbrief wurde am 09.03.2017 an die MZ geschickt, von der MZ aber erst am 07.04.2017 veröffentlicht.

Hurra, Regensburg kriegt neue Dieselbusse!

Es geht schon verrückt zu in unserer Stadt. Da macht Greenpeace einen bundesweiten Aktionstag, auch in Regensburg, bei dem die schlimmen Auswirkungen von Dieselfahrzeugen für das Klima und für die Gesundheit der Menschen in den Städten aufgezeigt werden, mit der Forderung, Dieselfahrzeuge aus den Städten zu verbannen und die städtischen Busse auf Ökostrom umzustellen. Und beinahe gleichzeitig verkünden die VertreterInnen von Stadtspitze und RVB freudestrahlend, dass die Regensburger Verkehrsbetriebe elf neue Dieselbusse gekauft haben. Es sei wichtig, so erklärt die amtierende Bürgermeisterin, "die technischen Potenziale zugunsten der Umweltfreundlichkeit unserer Fahrzeugflotte auszuschöpfen".
Genau das ist eben hier nicht passiert. Zwar ist klar, dass die neu angeschafften Dieselbusse weniger umweltschädlich als die ausgemusterten Uralt-Busse sind, was sonst. Aber auch die neuen Busse der Euronorm 6 stoßen noch beträchtliche Mengen an Stickoxyden und anderen Schadstoffen aus und erhöhen damit das Risiko für Asthma, Herzinfarkte und andere Kreislauferkrankungen der Regensburger BürgerInnen.  Ob die auf den Prüfständen ermittelten Schadstoffwerte  mit denen im realen Betrieb übereinstimmen, ist sowieso fraglich.
Angesichts dessen, dass die jetzt gekauften Dieselbusse vermutlich mindestens 10 Jahre die Regensburger Luft belasten werden,  hätte es gesundheitlich und ökologisch bessere Alternativen gegeben. Die Stadt Oldenburg beispielsweise hat ihre Busflotte komplett auf Erdgas umgestellt. Und die Stadt Eindhoven in den Niederlanden hat  vor kurzem vollständig auf Elektrobusse umgestellt.  Aber in Regensburg gehen die Uhren halt etwas langsamer. Zumindest für die Altstadtlinie sollen ja demnächst 5 Elektrobusse eingesetzt werden.  Das sind 5 von insgesamt 108 Fahrzeugen. Tja, da wird sich der komplette  Umstieg halt ziemlich lange hinziehen. Hoffentlich erleben wir das noch.
Mit freundlichen Grüßen
Karl Bierl

------------------------------------------------------------------------------------------------------

Leserbrief

Zu den Berichten in der Mittelbayerischen Zeitung über die Planungen für die HGÜ-Trasse SüdOstLink, die durch den Landkreis Regensburg gehen soll, schrieb BüfA-Mitglied Karl Bierl folgenden Leserbrief, den die MZ am 01.10.2016 veröffentlichte:

Stromautobahn für energiepolitische Geisterfahrer

 
Nachdem nun endlich mögliche Verlaufsplanungen für die  "Stromautobahn" SüdOstLink , die von Sachsen-Anhalt, mitten durch die Oberpfalz, bis Landshut gehen soll, bekannt gegeben wurden, finden demnächst Infoveranstaltungen statt. Solche Infotermine dienen der Akzeptanzförderung und sind bei solchen Großprojekten mittlerweile üblich, um den betroffenen Bürgern das Gefühl zu geben, an den Entscheidungen beteiligt zu sein. Tatsache ist aber, dass die Betroffenen bei diesen Stromautobahnen herzlich wenig mitentscheiden können.
 
Betroffen vom SüdOstLink sind ja nicht nur die Personen, die in unmittelbarer Nähe der künftigen Trassen leben. Betroffen sind vielmehr alle Stromkunden, denn sie werden die horrend hohen Investitionskosten für die Stromautobahnen bezahlen. Und da beginnt schon der politische Irrsinn. Denn zu den zu erwartenden Kosten gibt es die unterschiedlichsten Angaben. Die Bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner spricht von 6 Milliarden Euro für beide Stromtrassen. Der Tennet-Geschäftsführer schätzt die Gesamtkosten auf etwa 15 Milliarden Euro. Bis vor kurzem gab es von Tennet noch Kostenschätzungen um die 30 Milliarden Euro. Woher kommt die plötzliche Kostenreduktion, wo doch die jetzt beschlossene Erdverkabelung teurer sein müsste als die früheren Planungen? Offensichtlich versucht die Staatsregierung, die Kosten herunterzurechnen, um die Bürger nicht zu erschrecken. Da kann man sicher sein, dass die endgültigen Kosten dieses Großprojekts um ein Vielfaches höher sein werden als veranschlagt.
 
Aber das ist nur eine der vielen Ungereimtheiten und Widersprüche bei diesem Projekt. Genauso dubios ist der Zeitplan. Behauptet wurde, die Stromtrassen seien notwendig, um unsere Stromversorgung zu sichern, wenn die letzten bayerischen AKW´s 2022 abgeschaltet werden. Aber dafür kommen die Trassen einige Jahre zu spät, da sie, "optimistisch gesehen", so TenneT, frühestens 2025 fertig sein sollen.
Noch dubioser ist aber die immer wiederholte Behauptung, die Trassen sollten Windstrom nach Bayern bringen. Tatsache ist, es geht hauptsächlich darum, Kohlestrom zu transportieren, damit die großen Energiekonzerne ihre Kohlekraftwerke noch möglichst lange profitabel betreiben können. Zur Erinnerung: Ursprünglich war der Startpunkt des SüdOstLinks im Braunkohlerevier bei Halle geplant. Das war nun doch etwas zu offensichtlich, also wurde die Trassenplanung etwas geändert. Aber die Braunkohlekraftwerke mit enorm hohem CO2-Ausstoß  liegen natürlich immer noch dicht an der Stromautobahn. Dass die geplanten Stromautobahnen auf Kohlestrom ausgerichtet sind, stellte übrigens kürzlich auch das seriöse Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in ihrer Studie  "Stromnetze und Speichertechnologien für die Energiewende" fest, wo es zusammenfassend heißt, dass die geplanten HGÜ-Leitungen darauf angelegt sind, "in wenigen Stunden mit viel Wind gleichzeitig auch viel Strom aus Kohlekraftwerken zu transportieren". Dass der Trassenbau damit allen klimapolitischen Zielen widerspricht, liegt auf der Hand.
 
Insgesamt sind die geplanten Stromautobahnen völlig kontraproduktiv für die Energiewende, indem sie einer dezentralen regenerativen Stromerzeugung und einem raschen Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung entgegenstehen. Wenn die Bayerische Staatsregierung mit der 10H-Regelung nicht den Windkraftausbau in Bayern abgewürgt hätte, wäre ein Stromimport aus dem Norden gar kein Thema. Die Staatsregierung sollte die 10H-Regelung, die gegen den Widerstand aller Umweltschutzverbände durchgesetzt wurde, rückgängig machen. Und anstelle von milliardenschweren Subventionen für Netzbetreiber, Betreiber von Kohlekraftwerken und andere energiepolitische Geisterfahrer sollten besser dezentrale Speichertechnologien und die Power2Gas-Technologie gefördert werden.
-----------------------------------------------------------------