"Außenansicht" in MZ

Am 04.03.2015 veröffentlichte die Mittelbayerische Zeitung im überregionalen Teil unter der Rubrik "Außenansicht" einen Kommentar von BüfA-Sprecher Walter Nowotny zur Energiewende, insbesondere zu Windkraftanlagen.

Hier der Kommentar im Wortlaut:

 

FÜR  DIE  WENDE  VON  UNTEN

Beim Thema Energiewende scheinen viele vergessen zu haben, worum es eigentlich geht, nämlich tiefgreifende Klimaveränderungen abzuwehren. Als hochentwickelter Industriestandort hat Deutschland die Möglichkeit, Erdöl und Erdgas nicht weiter zu vergeuden, sondern elektrische Energie vorbildhaft und praktisch ohne Betriebskosten und Umweltbelastungen durch Sonne und Wind zu erzeugen. An vielen geplanten Standorten für Windkraftanlagen (WKA) laufen betroffene Anlieger Sturm und versuchen, sie mit fragwürdigen Argumenten zu verhindern. Gehör fanden sie bei Ministerpräsident Seehofer, und die CSU-Mehrheit legte die Mindestabstände zu Wohngebieten auf das zehnfache ihrer Höhe fest  (10H-Abstandsgesetz) was neue WKWs praktisch verhindert. Bei den vorausgegangenen Beratungen im Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtages waren u.a. der Bay. Städtetag, der Bay. Gemeindetag, die IHK , die Hochschulen Augsburg und Regensburg und der Verband Kommunaler Unternehmen e.V. vertreten, und nur ein  einziger der zwölf Experten, der Vertreter der Windkraftgegner, erachtete die 10H-Regelung als sinnvoll. Die IHK – München und Oberbayern, sonst kein Freund der Erneuerbaren Energien, sieht im unsinnigen 10H-Gesetz wirtschaftliche Nachteile für seine Kammermitglieder.

Die Windkraftgegner reden fälschlich von staatlichen Subventionen. Windkraftprojekte bekommen EEG Einspeisevergütungen, die nichts mit Steuergeldern zu tun haben. Durch die hohe Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen werden Teile des erzeugten Stroms heute schon ohne EEG-Hilfe direkt vermarktet. Laut einer Studie der Uni Erlangen im Auftrag der Siemens AG sparten die deutschen Stromverbraucher 2013 stolze 11,2 Milliarden Euro durch die Erneuerbaren Energien, was allerdings fast ausschließlich der Großindustrie und nicht dem Kleinverbraucher zu Gute kam. Wer verhindert, dass der Strom in der Region mit erneuerbaren Ressourcen erzeugt wird, der ist dann auch mit verantwortlich für weitere Enteignungen und Zwangsumsiedlungen in den Braunkohlerevieren Lausitz und Garzweiler. Der ist dann auch verantwortlich für das Risiko, im Falle eines Atomunfalls unsere Heimat dauerhaft verlassen zu müssen und für den weiter erzeugten Atommüll, dessen Entsorgung noch völlig offen ist. Der nächste aktive Atommeiler Isar 2 steht nur 20 km zur Landkreisgrenze Regensburgs in Niederaichbach bei Landshut. Das Abklingbecken des 2011 abgeschalteten Atomreaktors Isar 1 ist noch voll mit 1700 abgebrannten Brennstäben.

Ich habe mich an der ersten Bürger-WKA in Regensburg am Mühlberg beteiligt. Diese kleine Anlage mit 500 kW läuft nun seit 17 Jahren problemlos. Wegen des windschwachen Standortes wurde keiner mit dieser Anlage reich, aber sie hat bis heute ca. 11.000 Tonnen CO2 eingespart. Ich freue mich, Teil dieser Energiewende von unten zu sein. Wenn der Nutzungszeitraum beendet ist, dann lässt sich eine WKA problemlos zurückbauen. Jeder kann Teil der Energiewende werden, sei dies durch Eigenerzeugung mit einer PV-Anlage oder durch Beteiligungen.

Ich bitte die Windkraftgegner ihre Partial-Interessen gegenüber dem Gesamtwohl zurückzustellen.

 

Walter Nowotny Dipl. Ing (FH) Sprecher des Bündnisses für Atomausstieg und erneuerbare Energien (BüfA Regensburg)